Hörfilm-Kino-Tour : "Die Blindgänger"
Kinderfilm mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Kinobesucher
Die Besucherzahlen der Hörfilm-Kino-Tour "Die Blindgänger" konkretisierten erstmals das Interesse der neuen Zielgruppe der Blinden und Sehbehinderten am Kino. In 42 blindengerechten Vorstellungen in 24 Städten erlebten insgesamt 2.953 Zuschauer den Film "Die Blindgänger" mit Audiodeskription. Die Bildbeschreibungen wurden auf kabellose Kopfhörer übertragen (Dolby-Screen-Talk). Wegen der großen Nachfrage wurden weitere Hörfilm-Aufführungen mit offener Audiodeskription (Übertragung über die Saallautsprecher) veranstaltet.
Die Hörfilm-Tour des Films lief vom 01.11.- 21.11. 2004.
Das Projekt "Audiodeskription im Kino" der DHG wurde am 4.11. 2004 mit dem Innovationspreis der Beauftragten für Kultur und Medien ausgezeichnet.
Bereits zur Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2004 wurde der Film mit Audiodeskription von der DHG zur Aufführung gebracht.
Die Hörfilm-Kino-Tour des Films "Die Blindgänger" wurde unterstützt von:
- Dolby
- Johannes und Elsbeth Gottwald-Stiftung
- Kinderfilm GmbH
- Der Rundfunkbeauftragte der EKD
- ZDF
Informationen zum Film
"Kinder brauchen Filme wie "Die Blindgänger":
sensibel, präzise, nah am Leben und Mut machend."
(Bernd Merz, Rundfunkbeauftragter der EKD)
"Die Blindgänger"
D 2003, 88 Min., Regie: Bernd Sahling
Darsteller: Ricarda Ramünke, Maria Rother, Dominique Horwitz u.a.
Produktion: Kinderfilm GmbH mit dem ZDF
Inhalt: Marie und Inga, beide 13 Jahre alt, sind seit langem beste Freundinnen. Wie alle Mädchen ihres Alters habe sie die üblichen Probleme: Jungs, Aussehen, Lehrer... Nur in einer Beziehung unterscheiden sie sich völlig von den anderen: Marie und Inga sind blind. Sie leben im Internat einer Schule für Sehbehinderte mit erweiterter Musikausbildung. Beide lieben die Musik, Marie spielt Gitarre, Inga Saxophon.
Die beiden sind Feuer und Flamme, als sie erfahren, dass eine Schülerband aus der Stadt Verstärkung für einen Fernseh-Wettbewerb sucht. Die Jungs aus der Band finden zwar, dass die blinden Mädchen klasse spielen, halten sie aber für nicht fernsehtauglich.
Das Leben der beiden Freundinnen wird auf den Kopf gestellt, als Marie den jungen Russlanddeutschen Herbert kennen lernt, der zurück nach Kasachstan will. Marie versteckt den von der Polizei gesuchten Jungen im Internat und verliebt sich zum ersten Mal ....
Auszeichnungen:
- Deutscher Filmpreis in Gold 2004 in der Kategorie "Bester Kinder- und Jugendfilm"
- Hauptpreis des Internationalen Kinderfilmfestivals Zlin 2004
Aus der Begründung der Jury:
"In fesselnden Bildern von tiefer symbolischer Bedeutung lernt der Zuschauer die Welt der Blinden kennen. Ein Schutz und Unterkunft suchender Immigrantenjunge erhält Hilfe von einem blinden Mädchen und sie lernen jeweils das Leben des anderen kennen. Der Film besticht durch seinen wunderbaren Sinn für Humor und driftet zu keinem Moment ins Sentimentale ab. Herausragend künstlerisch gestaltet, vermittelt der Film gleichzeitig eine zutiefst menschliche Botschaft."
- "Lobende Erwähnung" der Internationalen Jury des 27. Kinderfilmfestes, Berlinale 2004
Aus der Begründung der Jury:
"Vom ersten Bild an werden wir in diesem Film an einen Ort geführt, an dem ganz andere Bedingungen gelten. Und dennoch ist das Wesentliche gleich geblieben: Das Bedürfnis, jemanden zu haben, den man liebt. Dies zeigt der Film in emotionaler Ehrlichkeit und durch Schauspieler, deren Handeln bis ins tiefste Innere wahrhaftig ist."
- "Lobende Erwähnung" der Kinderjury des 27. Kinderfilmfestes, Berlinale 2004
Aus der Begründung der Jury:
"Das Thema des Films hat uns in eine unbekannte Welt hineingeführt. Mit Humor und Ernsthaftigkeit brachten uns die Schauspieler den abenteuerlichen Alltag von Menschen nahe, die sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lassen."
Der Regisseur Bernd Sahling hat über Jahre als Dokumentarfilmer ein blindes Mädchen begleitet und hier Erfahrungen gesammelt, die ihm bei der ungewöhnlichen Machart des Filmes nutzten. An allen Blindenschulen in Deutschland haben Sahling und seine Crew nach den passenden Schauspielern gesucht. Über 300 Kinder haben Sie gecastet und sind fündig geworden.
Interview mit Regisseur Bernd Sahling (Auszug)
Die Darsteller sind wie die Figuren im Film - Marie, Inga und Daniel - stark sehbehindert. Welche Idee steckte dahinter, auch Blinde als Darsteller zu gewinnen?
"Das war von Anfang an vorgesehen. Ich glaube, dass das gar nicht anders geht. Sehende Kinder könnten zwar so tun, als seien sie blind, doch sie wären damit überfordert."
Wie lief eigentlich der Dreh: Haben die Mädchen Sie vielleicht auch korrigiert oder kritisiert, weil ihnen der Stoff oder die Dialoge nicht gefallen haben?
"Es ist uns in der Vorbereitung oder beim Dreh oft passiert, dass wir uns korrigieren mussten. Beispielsweise wenn vorgesehen war, so jetzt geht der Lehrer an die Tafel und schreibt eine Aufgabe an. Das ist natürlich Quatsch. So etwas passiert uns als Sehenden immer wieder. Deswegen hatten wir viele Blinde als Berater, meine langjährige Dokumentarfilmheldin Anne Günther zum Beispiel. Die hat sich das Drehbuch mailen lassen und mir erzählt, was nicht sein kann. Die Darsteller haben auch einige Veränderungen vorgeschlagen. Wir sind sehr oft darauf eingegangen."
