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Interview mit Volker Schlöndorff

Kann man aus der "Blechtrommel" einen Hörfilm machen?

SCHLÖNDORFF: Das ist bei der "Blechtrommel" pikant, weil man bei dem Film hauptsächlich an die Bilder denkt. Auf der anderen Seite hat der Film, wie jeder gute Film, starke akustische Elemente, etwa die Trommel oder das Glaszersingen. Die Blechtrommel eignet sich deshalb paradoxerweise sehr für eine Bearbeitung als Hörfilm. Zwar gehen die starken Bilder verloren, etwa die Aale im Pferdekopf. Aber so ein Bild stellt sich sofort ein, wenn man es beschreibt. Diese Bilder haben den Leser ja auch aus dem Buch angesprungen.

Wie detailliert wünschen Sie als Regisseur sich die Bildbeschreibungen?

SCHLÖNDORFF: Es hat keinen Sinn, eine Hörfassung zu machen, die man überfrachtet mit Beschreibungen. Das bremst den emotionalen Fluss der Erzählung. Man muss sich auf die Geschichte als Hörerlebnis konzentrieren und die wenigen gezielten Hinweise geben, die notwendig sind.

Ein blinder Zuschauer – was denken Sie dazu?

SCHLÖNDORFF: Alle Wahrnehmung ist subjektiv. Es ist eine für den Film manchmal vielleicht entlarvende Angelegenheit, nur gehört zu werden. Letztendlich sagen wir immer, der Film entsteht nicht auf der Leinwand, sondern im Kopf des Zuschauers. In dem Sinne ist auch der Blinde ein Zuschauer. In seinem Kopf entsteht ein Film, der vielleicht zum Schluss anders ist als der Film, den der Sehende gesehen hat, der aber auch seine Kraft hat.

Sehen Sie eine künstlerische Dimension des Hörfilms?

SCHLÖNDORFF: Es gibt natürlich visuelle Elemente, die sich sofort vermitteln, und solche, die schwer zu übertragen sind. Ich sehe das als eine künstlerische Herausforderung an. Der Hörfilm könnte sich zur regelrechten Kunstform entwickeln. Man müsste mit den Einzelelementen der Tonspur frei arbeiten können. Es wäre reizvoll, bei gewissen Filmen auf die Mischbänder zurückzugehen und aus diesen Mischbändern plus der eingespielten Kommentarstimme etwas Neues zu machen.

Sollten mehr Filme als Hörfilme bearbeitet werden?

SCHLÖNDORFF: Selbstverständlich. Der Hörfilm bringt ja eine unglaubliche Aufwertung der Tonspur. Alle Filmleute, die ihr Metier lieben, investieren sehr viel Arbeit und Leidenschaft in die Tonspur, die dann kaum wahrgenommen wird im normalen Kino oder bei einer normalen Fernsehsendung. Da ist es natürlich schön, wenn man weiß, dass es Leute geben wird, die sich nur auf die Tonspur konzentrieren.

Mit Volker Schlöndorff sprach Martina Wiemers.