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Kooperation mit dem Filmmuseum München

Die Filmreihe basiert auf einer Zusammenarbeit des Filmmuseums München mit der Deutschen Hörfilm gGmbH, die im Rahmen der Initiative »Projekt Inklusion im Kulturreferat« entwickelt und gefördert wurde. Alle Audiodeskriptionen der nachfolgenden Filme wurden von der Deutschen Hörfilm konzipiert und hergestellt.

Die Filmreihe

ZUCKERBABY

BRD 1984, 86 Min.
Buch/Regie: Percy Adlon
Mit Marianne Sägebrecht, Eisi Gulp. Manuela Denz, Toni Berger, Will Spindler u.a. 

Die Angestellte eines Bestattungsunternehmens verliebt sich in einen U-Bahn-Fahrer und setzt alles daran, ihn zu erobern. – Percy Adlon über den Erfolg seines Films: »Ich glaube, es ist die Menschlichkeit, eine Menschlichkeit, die aber nicht dick aufgetragen daherkommt, sondern in Form einer leichten Erzählung, einer Komödie, wie man sagt, obwohl es ja nicht gar nicht so viel zu lachen gibt. Und dass sich ein Traum erfüllt, den sicherlich viele Menschen haben, dass sie, obwohl sie total eingeklemmt in ihrer Bürgerlichkeit, in ihrer Ehe oder was auch immer sind, die Möglichkeit haben, sich von alledem mit einem Schlag zu befreien.«

BATTLE OF THE CENTURY (ALLES IN SCHLAGSAHNE)

USA 1927, 16 Min.
Regie: Clyde Bruckman 
Mit Stan Laurel, Oliver Hardy, Noah Young, Sam Lufkin u.a.| 16 min

Ollie ist Manager des Boxers Stan. Am Tag nach einem verlorenen Kampf lösen die beiden eine monumentale Tortenschlacht aus. – Der nur fragmentarisch erhaltene Klassiker lief in einer vom Filmmuseum München rekonstruierten Fassung.

SPUK UM MITTERNACHT

USA 1931, 40 Min.
Regie: James Parrott
Mit Stan Laurel, Oliver Hardy, Otto Fries, Lucien Prival, Tiny Sandford u.a.

Der einzige erhaltene frühe Tonfilm, in dem Stan und Ollie selber deutsch sprechen, handelt von einer Erbschaft und einem Geisterhaus, in dem die beiden übernachten.

MEIN MÜNCHEN

Deutschland 2000, 89 Min. 
Buch/Regie: Percy Adlon

Beginnend mit einem Hubschrauberflug über München und unterlegt von Karl Valentins Sketch »Das Aquarium«, zeigt der heute in Kalifornien lebende Filmemacher Percy Adlon in seinem »Liebesbrief an meine Heimatstadt« einen ganz persönlichen Blick auf die Stadt und die Stationen seines Lebens dort. Dazu dienen zahlreiche Filmausschnitte über Münchner Künstler, die Adlon in dreißig Jahren seiner Filmarbeit mit der Kamera besucht und für das Fernsehen porträtiert hat. So entsteht ein höchst unterhaltsames Kaleidoskop Münchner Geschichten, Münchner Originale und Münchner Lebensart.

»Ich komme bis heute in die Metropole des Föhns so oft ich kann zurück, weil ich es ohne Weißwürscht nicht lange aushalte. « (Percy Adlon) 

VOM REICHE DER SECHS PUNKTE

Deutschland 1927, 95 Min.
Regie: Hugo Rütters 
Buch: Hugo Rütters, Robert Wirtz, Hubert Horbach
Mit Lotte Kleinschmidt, Robert Wirtz, Hubert Horbach, Josef Petri u.a.

Ein beeindruckender und berührender Stummfilm, der abseits der großen Filmzentren Berlin und München entstand: Die Geschichte eines Ingenieurs, der sein Augenlicht verliert und sich mit seinem Schicksal als Blinder abfinden muss, führt in eindrucksvollen dokumentarischen Bildern das Leben und die Arbeit in den Blindenanstalten in Köln, Düren und Neuwied vor. Geschickt werden Spielszenen, dokumentarische Aufnahmen und Lehrfilminhalte miteinander verbunden.

Der vom Filmmuseum München restaurierte erste Stummfilm mit Audiodeskription wurde 2008 mit dem Deutschen Hörfilmpreis ausgezeichnet.

 

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Einführung im Programmheft des Filmmuseums München

aus: Programmheft Filmmuseum München, Heft 28, 2015, S. 33f. | Von Martina Wiemers

Warum gehen blinde Menschen ins Kino?

Filme ohne Bilder – das ist Alltag für viele Menschen. Auch blinde Menschen lieben Filme, nutzen Filme, schauen fern, gehen ins Kino, schätzen das Gemeinschaftserlebnis mit nichtbehinderten Freunden und Verwandten. Das Radio ist für Blinde kein Ersatz für den Film. Filme sind zentraler Bestandteil unserer Alltagskultur, Filme sind Gesprächstoff – am Arbeitsplatz, in der Familie. Weiteres Motiv: Wer sein Leben lang Filme gesehen hat, mit dem Fernsehen groß geworden ist, wird auch dann nicht auf dieses Medium verzichten wollen, wenn das Sehen nachlässt.

Rund 700 000 Menschen in Deutschland sind blind oder sehbehindert, sie haben keinen unmittelbaren Zugang zum Film. Audiodeskription heißt die Technik, die Filme für blinde Menschen barrierefrei zugänglich macht. Audiodeskription verwandelt einen Film in einen Hörfilm: Die Szeneninhalte werden beschrieben, also Handlung, Gestik, Mimik, Dekors, Kostüme – alle für das Verständnis des Film wichtigen visuellen Aspekte.

Wie entsteht ein Hörfilm?

Bei Spielfilmen, Serienfolgen und Dokumentationen ist es für blinde Menschen schwierig, der Handlung zu folgen. Dann sind Bildbeschreibungen notwendig, die in Worte fassen, was im Bild vor sich geht. Eine Audiodeskription beschreibt in knappen Worten zentrale Elemente der Handlung sowie Gestik, Mimik und Dekors. Diese Texte werden in den Dialogpausen eingesprochen. Audiodeskription eröffnet blinden und sehbehinderten Menschen einen direkten Zugang zur Bilderwelt des Films.

In ein bis zwei Durchläufen wird der Film einer ersten Analyse unterzogen. Dabei werden Fragen geklärt wie: Welche Figuren, welche Orte müssen detailliert beschrieben werden? Welche besonderen Anforderungen stellt der konkrete Film an die Audiodeskription: Gibt es Zeitsprünge, Rückblenden, Traumsequenzen?

Dann wird der Film Szene für Szene bearbeitet. Ständiges Verknappen der beschreibenden Texte gehört zu den wichtigsten Aufgaben, da die Lücken zwischen den Dialogen in der Regel nicht viel Platz für Einfügungen lassen und die Atmosphäre des Films erhalten bleiben soll. Die Audiodeskription wird dann im Tonstudio aufgenommen, mit der Originaltonspur abgemischt und als optional anwählbare Tonspur in das Menü der DVD eingebunden bzw. im Fernsehen ausgestrahlt.

Die Bildbeschreibungen werden in Zusammenarbeit von sehenden, blinden und sehbehinderten Filmbeschreibern verfasst. Auch die Tonregie im Studio liegt häufig in der Hand blinder / sehbehinderter Mitarbeiter. Ihnen obliegt die Aufgabe, für eine optimale Verzahnung der zusätzlichen Sprachinformationen mit dem akustischen Gesamtgeschehen des Films zu sorgen.

Die Deutsche Hörfilm

1993 wurde beim ZDF der erste Film mit Audiodeskription in Deutschland ausgestrahlt. 1998 nahm die Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) – damals noch firmierend als »Projekt Hörfilm« – ihre Arbeit auf mit dem Ziel, das Medium Hörfilm in der deutschen Medienlandschaft zu verankern und die Voraussetzungen für den Ausbau eines hochwertigen Angebots zu schaffen. Sie treibt die Entwicklung der Audiodeskription durch vielfältige Impulse voran, so etwa durch die ersten Hörfilm-Aufführungen bei der Berlinale, die europaweit ersten Hörfilm- DVDs, die ersten akustischen Menüsteuerungen, das erste Theaterstück mit Audiodeskription oder die Vorstellung der Audiodeskription im Rahmen der Internationalen Funkausstellung.

Neuere gesetzliche Rahmenbedingungen haben zu einer spürbaren Ausweitung des Angebots an Hörfilmen geführt. Seit 2014 vergeben die filmförderungsanstalt und der Deutsche filmförderfonds ihre Produktionsförderung unter der Maßgabe, dass von den geförderten Filmen eine barrierefreie Fassung hergestellt wird – mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Mediennutzer, und mit Untertiteln für hörbehinderte Menschen.

Aufführungen im Filmmuseum München

Früher wurde die Audiodeskription im Kino live eingesprochen, der Sprecher saß im Kinosaal oder, wo vorhanden, in einer Sprecherkabine, und sprach das Manuskript zum laufenden Film ein. Heute ist die Audiodeskription im Kinosaal digital zugänglich. Sie wird mit dem DCP (digitale Filmkopie) geliefert und vom Kinoserver aus auf Funkkopfhörer übertragen. Bei den Aufführungen im Filmmuseum werden die Tonspur des Films und die Audiodeskription jedoch gemeinsam über die Lautsprecher eingespielt, so dass jeder im Saal den Film als Hörfilm erleben kann. Es ist ein Versuch, der die Möglichkeit bietet, sich mit dem Medium »Hörfilm« auseinanderzusetzen. Dabei werden Stumm- und Tonfilme, Dokumentar- und Spielfilme, neue und alte Produktionen vorgestellt, die alle exklusiv für die Aufführungen im Filmmuseum München hergestellt worden sind.

Volker Schlöndorff, der sich anlässlich der Hörfilm-Ausstrahlung von DIE BLECHTROMMEL mit der »Übersetzung « der Bilder seines Films in Sprache beschäftigt hatte, beschrieb die Rezeption eines Hörfilms folgendermaßen: »Alle Wahrnehmung ist subjektiv. Es ist eine für den Film manchmal vielleicht entlarvende Angelegenheit, nur gehört zu werden. Letztendlich sagen wir immer, der Film entsteht nicht auf der Leinwand, sondern im Kopf des Zuschauers. In dem Sinne ist auch der Blinde ein Zuschauer. In seinem Kopf entsteht ein Film, der vielleicht zum Schluss anders ist als der Film, den der Sehende gesehen hat, der aber auch seine Kraft hat.«

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Berichterstattung in den Medien

"Der blinde Zuschauer" von Berhard Blöchl, Süddeutsche Zeitung vom 21.04.2015

 

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