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2. Münchner Hörfilmtage

Ein Filmfestival mit Hörfilmen, die 2. Münchner Hörfilmtage, veranstaltet die Deutsche Hörfilm gGmbH zusammen mit dem Filmmuseum München und der Tolle Idee-Agentur vom 18. bis 20. März 2016 im Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum.

Als Kulturgenuss für sehende wie für blinde und sehbehinderte Menschen, präsentieren die 2. Münchner Hörfilmtage an drei Tagen eine große Bandbreite von Hörfilm-Versionen– die Audiodeskription ist dabei für alle Kinobesucher über die Saallautsprecher hörbar.
Eine Podiumsdiskussion mit Hörfilm-Experten am 20. März rundet das Programm ab.

Besonders gelungene, aktuelle Hörfilmproduktionen aus dem deutschsprachigen Fernsehprogramm, aktuelle Kinofilme und neue Hörfassungen von Filmen aus dem Archiv des Filmmuseums werden hier präsentiert. In einer Podiumsdiskussion mit Audiodeskriptions-Experten sollen mit dem Publikum (Sehbehinderte, Blinde und Sehende) Prinzipien, Kriterien und Wahrnehmung der Audiodeskription vorgestellt und auch anhand der präsentierten Filme diskutiert werden.

Hier können Sie den Flyer herunterladen. Näheres zum Programm finden Sie nachfolgend und beim Filmmuseum München.

 

Das Programm

Freitag, 18.3.2016, 18.30 Uhr | Zu Gast: Isabella Gresser

MÜDIGKEITSGESELLSCHAFT – BYUNG-CHUL HAN IN SEOUL/BERLIN

Deutschland 2015, Doku, 61 min
Regie/Buch/Kamera/Schnitt: Isabella Gresser
Mit Byung Chaul Han
Audiodeskription: Uta Borchert, Silja Korn, Evelyn Sal lam

Wie kaum ein anderer mischt sich der in Deutschland lebende, kaum in der Öffentlichkeit auftretende koreanische Philosoph Byung Chul Han in die gesellschaftliche Debatte ein. Seine gesellschaftskritischen Thesen zur »Müdigkeitsgesellschaft« und »Transparenzgesellschaft« tragen heute ganz wesentlich zum Verständnis unserer Gesellschaft im Zeitalter von Selbstausbeutung, Neoliberalismus und Überwachung bei. Als 2011 sein Buch »Müdigkeitsgesellschaft« erschien, traf es den Nerv der Zeit, und noch vor Snowdens Enthüllungen und dem NSA-Skandal verwies Han auf das »digitale Panoptikum«, die digitale Kontroll- und Transparenzgesellschaft, in der wir leben. Die Künstlerin Isabella Gresser begleitete Byung Chul Han in seine Heimatstadt Seoul und an persönliche Orte in Berlin. Das Motiv des Wanderers durchzieht ihre essayistische visuelle Collage aus filmischen, fotografischen und gezeichneten Beobachtungen.

 

Freitag, 18.3.2016, 21.00 Uhr | Einführung: Philip Klenk

FÜNF MINUTEN HIMMEL

Deutschland 2016, Thriller, 89 min
Regie: Katrin Gebbe, Buch: Thomas Wendrich
Kamera: Matthias Bolliger
Mit Heike Makatsch, Angela Winkler, Max Thommes, Christian Kuchenbuch, Holger Kunkel, Julika Jenkins Audiodeskription: Philip Klenk

Der Beitrag des SWR zur Reihe TATORT, in dem erstmals Heike Makatsch als Kommissarin auftritt, ist auch die erste Fernseharbeit von Regie-Newcomerin Katrin Gebbe, nach ihrem 2013 nach Cannes eingeladenen Debütfilm TORE TANZT.
Hauptkommissarin Ellen Berlinger kehrt nach 14 Jahren Abwesenheit in ihre Heimatstadt Freiburg zurück. Dort trifft sie auf ihre Mutter, die den Beruf der Tochter seit jeher verachtet. Ellen begegnet auch erstmals der fünfzehnjährigen Nina, ihrer eigenen Tochter, die sie nach der Geburt in die Obhut der Großmutter gegeben hatte. Als ein Mitarbeiter des Jobcenters tot an seinem Schreibtisch aufgefunden wird, erdrosselt mit einem Kabelbinder, hat Ellen ihren ersten Fall im Freiburger Morddezernat. »Ein mystisches Drama mit Thriller-Sequenzen«, nennt Katrin Gebbe das erstmals ›grün‹ produzierte »Special«, das die ARD an Ostern ausstrahlen wird.

 

Samstag, 19.3.2016, 18.30 Uhr | Einführung: Georg Schmolz

NIGHT WILL FALL (HITCHCOCKS LEHRFILM FÜR DIE DEUTSCHEN)

GB 2014, Doku, 73 min
Regie: André Singer, Buch: Lynette Singer
Kamera: Richard Blanshard

Audiodeskription: Detlef Tomschke, Anke Nikolai, Alexander Fichert

Bei der Befreiung der ersten Konzentrationslager 1945 sind Kameramänner der Alliierten angehalten, die Vorgänge systematisch zu dokumentieren – das Unfassbare festzuhalten. Dabei entstehen bestürzende Bilder, die alles in den Schatten stellen, was man bisher gesehen hat. Namhafte Filmemacher wie Sidney Bernstein, Alfred Hitchcock, Billy Wilder und Stewart McAllister versuchen, die Bilder in einem Film zu verarbeiten. Doch politische Bestrebungen zum Wiederaufbau Deutschlands verhindern die Fertigstellung und die Veröffentlichung der Aufnahmen. »Ein beeindruckender, bewegender, schmerzlicher und oft erschütternder Dokumentarfilm, der originales Archivmaterial mit Statements von Zeitzeugen elegant zusammenfügt. Manchmal hält man es kaum aus, doch der Film ist immer fesselnd und kraftvoll.« (Mark Adams)
Die Audiodeskription des MDR stand vor der schwierigen Aufgabe, Bilder von unbeschreiblichem Grauen in Worte zu fassen.

 

Samstag, 19.3.2016, 21.00 Uhr, Einführung: Stefan Drößler, Martina Wiemers

WEEKEND

Deutschland 1930, Experimentalfilm, 12 min
Regie und Buch: Walther Ruttmann

Der erste »Tonfilm ohne Bild« war ein einzigartiges Medienexperiment: Töne eines Tagesablaufs, aufgenommen und geschnitten auf der Tonspur eines 35mm-Films ohne Bild, rekonstruiert vom Filmmuseum München.

Im Anschluss:
DER STUDENT VON PRAG

Deutschland 1913, Drama, 75 min, viragiert
Regie und Buch: Hanns Heinz Ewers
Kamera: Guido Seeber
Mit Paul Wegener, Grete Berger, Lyda Salmonova, John Gottowt, Lothar Körner, Fritz Weidemann
Audiodeskription: Uta Borchert, Silia Korn, Evelyn Sallam

Im Prag von 1820 verkauft der Student Balduin sein Spiegelbild an einen geheimnisvollen Wucherer, der ihn dafür in die feine Gesellschaft einführt. Der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers inszenierte in Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Stellan Rye und Hauptdarsteller Paul Wegener den ersten deutschen »Kunstfilm«, der in die Filmgeschichte eingegangen ist. Liszt-Schüler Joseph Weiss komponierte die erste originale Filmmusik zu einem deutschen Stummfilm, die von Mark Pogolski am Flügel eingespielt wurde.
Die Audiodeskription greift die Tradition des »Filmerzählers« auf, der damals im Kino den Film kommentierte.

 

Sonntag, 20.3.2016, 17.30 Uhr, anschließend Podiumsdiskussion über das Medium Hörfilm mit Hörfilmredakteuren und Filmemachern

GRÜSSE AUS FUKUSHIMA

Deutschland 2016, Drama, 102 min
Regie und Buch: Doris Dörrie
Kamera: Hanno Lentz
Mit Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Moshe Cohen,Nami Kamata, Aya Irizuki, Honsho Hayasaka
Audiodeskription:Marion Hollerung, Sabine Ziehm, Aribert Mog

Marie, die von Albträumen über ihre gescheiterte Hochzeit geplagt wird, reist für die Organisation Clowns4Help nach Japan zu den Überlebenden der Katastrophe von Fukushima. Bei einem Auftritt in den »Temporary Housing Communities« trifft sie auf die störrische Satomi, die auf eigene Faust in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückziehen will. Marie beschließt, Satomi zu helfen, was diese nur sehr zögerlich akzeptiert. Nach und nach taucht Marie in die Geheimnisse der japanischen Lebensweise ein. »Die junge Frau lernt von dieser alten Frau etwas sehr japanisches und das ist Haltung, Haltung seinem eigenen Schmerz gegenüber. Und zugleich dreht sich die Geschichte auch um, dass diese alte Frau, die durchaus auch sehr hart ist auch etwas von der jungen Deutschen bekommt und das ist so etwas wie eine Aufforderung zur Regelverletzung und ein bisschen ein Aufweichen sich selbst gegenüber.« (Doris Dörrie)

 

Sonntag, 20.3.2016, 21.00 Uhr, Einführung: Bernd Bennecke

LUIS TRENKER – DER SCHMALE GRAT DER WAHRHEIT

Deutschland 2015, Drama, 89 min
Regie: Wolfgang Murnberger, Buch: Peter Probst
Kamera: Peter von Haller
Mit Tobias Moretti, Brigitte Hobmeier, André Jung, Anatole Taubman, Arndt Schwering-Sohnrey
Audiodeskription: Elisabeth Regenhard, Helmut Schmid, Sascha Schulze

»Tatsächlich gelingt dem österreichischen Regisseur Wolfgang Murnberger in der dramatischen Wechselwirkung von Voyeurismus und individuellem Geltungsdrang, im Spiel von Wahrheit und Lüge nicht nur eine filmische Hommage, sondern auch ein aufschlussreiches Sittenbild menschlicher Verstrickung auf allen möglichen Ebenen. Trenkers kurze und heftige Affäre mit Leni Riefenstahl Mitte der zwanziger Jahre bildet den Ausgangspunkt der Erzäh lung. Gleich bei den Dreharbeiten zu Arnold Fancks DER HEILIGE BERG schlägt der Liebesfunke zwischen den beiden um in einen Flächenbrand von vernichten der Konkurrenz. Dass sie sich fortan beruflich mit allen Mitteln zu übertrumpfen suchen in ihrer Geltungssucht, so macht dieser Film plausibel, hat ihren jeweiligen politischen Opportunismus unter Hitler zumindest nicht gebremst.« (Claudia Schwartz)



Das Programm zum Download

Programmflyer herunterladen (PDF)