PRESSEMITTEILUNG
04. Juni 2004

"mach die augen zu und fliege ..." - Blinde Bewegung Krieg

Erstmals TheaterTanzStück mit Audiodeskription für Blinde

Im Rahmen von "IN TRANSIT 2004" - Festival für Performance, Tanz und Theater wird das neue Stück des Regisseurs Armin Petras "mach die augen zu und fliege oder krieg böse 5" mit akustischen Bildbeschreibungen für Blinde (Audiodeskription) aufgeführt (11., 13. und 14. Juni 2004, 20h, Maxim Gorki-Theater Berlin).

Erstmals wird hier ein Bühnenstück für Blinde zugänglich gemacht, das sich der Ausdrucksmittel des Tanzes bedient.

Armin Petras Stück beleuchtet verschiedene Symptome und Aspekte der Themen Blindheit und Krieg und umfasst dabei einen Zeitraum von der Antike bis zur Gegenwart. Hauptfiguren sind Simplex Simplicissimus von Grimmelshausen und die blinde Tänzerin Pernille Sonne, zu ihnen gesellen sich Nebenfiguren wie Immanuel Kant oder Dorfbewohner aus Papua-Neuguinea.

Zum Entstehungshintergrund: Der Theaterregisseur Petras beobachtet Blinde, wie sie sich durch den Alltag bewegen, auf ihn wirkt das wie Leben im Kriegszustand. Bei der Suche nach einer adäquaten Metapher stößt er auf den "Simplicissimus" von Grimmelshausen. Ausgehend von diesem Roman entstand unter Mitarbeit der blinden Tänzerin Pernille Sonne ein Text, der das Gefühl permanenter körperlicher Unsicherheit thematisiert, wie es sowohl Krieg wie auch Blindheit erzeugen. Die Erarbeitung des Textes ist als work in progress angelegt, umgesetzt wird das Stück von zwei sehenden und einer blinden Tänzerin und einem Sprecher.

Die blinden Theaterbesucher empfangen die Audiodeskription des Stückes via Infrarotkopfhörer. Die Audiodeskription wird realisiert von der Deutschen Hörfilm gGmbH mit freundlicher Unterstützung der Gottwald-Stiftung, des Blindenhilfswerks Berlin, des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes und der Fa. Sennheiser.

Die Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) erschließt Blinden und Sehbehinderten den Zugang zu den audiovisuellen Aspekten von Kunst und Kultur. Das Visuelle wird akustisch beschrieben, diese Technik nennt sich Audiodeskription. Ausgehend vom Film als Zentrum unserer Arbeit (Kino, TV, Video und DVD) wenden wir uns auch Theater und Ausstellungen zu. Die DHG treibt seit 1998 die Entwicklung der Audiodeskription durch vielfältige Impulse konsequent voran, so etwa durch die ersten Berlinale-Aufführungen, die ersten DVDs oder das erste Theaterstück mit Audiodeskription ("Onkel Wanja", Schaubühne Berlin, 1999). Als Tochterorganisation des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes setzt sich die DHG ein für die kulturelle Teilhabe nichtsehender Menschen.

Kontakt:
Martina Wiemers
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